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Über die Kindheit und Jugend meines Großvaters weiß ich kaum etwas. Eigentlich nur die Eckdaten: 1912, da war mein Großvater drei Jahre alt, zieht die Familie in die nächstgelegene Kleinstadt Tuttlingen. Dort geht mein Großvater – während des ersten Weltkriegs, ich weiß also nicht, ob das immer so glatt lief – zur Volksschule und später auf die Realschule. Mit 16 beginnt er eine Ausbildung zum Notar, die er mit 20 abbricht. Statt der Ausbildung holt er auf dem Reform-Realgymnasium das Abitur nach und beginnt 1931 ein Studium der Rechtswissenschaft. Er studiert in Tübingen und Berlin, in welcher Aufteilung und Reihenfolge ist mir nicht klar. Er wird Mitglied der nichtfarbentragenden Studentenverbindung Alamannia in Tübingen und wird im Mai 1933, zwei Monate nach der „Machtergreifung“ der NSDAP, Mitglied des „Stahlhelm„, einer auch nicht wirklich ganz so progressiven Organisation. Mein Großvater hat diesen Beitritt selbst später als Ausweg geschildert, um nicht einer der NS-Organisationen beitreten zu müssen:
„Tübingen war damals eine Hochburg des Nationalsozialismus bei den meisten Studenten. Ich bin damals bewusst nicht in die SA oder SS eingetreten, sondern bin dem Stahlhelm beigetreten, die als reaktionäre Organisation gegolten hat. Wir sind dann ohne nach unserer Zustimmung gefragt zu werden, anläßlich eines Aufmarsches in die SA überführt worden. Ich war dann Mitglied der SA in Tübingen zwangsläufig bis zu meinem 1. Examen 1934.“
Am 6. Dezember 1934 bestand mein Großvater sein erstes juristisches Staatsexamen mit der Note „gut“.
Irgendwann „vor 1933″, so schildert es mein Großvater 1982 in einer Vernehmung, habe er Hitlers „Mein Kampf“ einmal von vorne bis hinten durchgelesen und es „propagandistisch und unterdurchschnittlich“ gefunden.