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Großvater war Rechtsreferendar und die Tour durch die der NSDAP angegliederten Organisationen ging weiter. Von 1935 bis 1939 war er Mitglied des NSKK, des „Nationalsozialistischen Kraftfahrerkorps“, einer Art paramilitärischer ADAC für Nationalsozialisten. Dort hatte er schließlich den Dienstgrad eines „Rottenführers“, was großartig klingt, aber vom Dienstgrad her nur der Position eines Obergefreiten in der Wehrmacht entspricht.
„das erste was ich getan habe als ich Referendar war, war, daß ich mich bemüht habe, von der SA in das NSKK zu kommen. Eine Organisation, die auch innerhalb der Partei verschrien war. Man hat uns dort als Säufer, keine Kämpfer bezeichnet und dergleichen. Um in den Staatsdienst zu kommen, musste ich die Zugehörigkeit zu einer Formation nachweisen und der bestand für mich darin, dass ich dem NSKK angehört habe.“
Ab 1936 war mein Großvater außerdem Mitglied des NS-Rechtswahrerbundes, der Juristenorganisation der NSDAP.
1946 schrieb mein Großvater einen „Persilschein“ für H.M., einen Referendariatskollegen. Darin schildert er die Ausbildungszeit folgendermaßen:
„während unserer gemeinsamen Ausbildungstätigkeit … bildeten wir mit weiteren gleichgesinnten Kollegen einen Kreis, dessen antifaschistische Einstellung amts- und stadtbekannt war. Diese Haltung kam in häufigen, sogar in den Amtsräumen offen geführten Aussprachen zum Ausdruck, in denen wir einen geistigen Abwehrkampf gegen das herrschende System führten. Wir hielten Zeitschriften, die den Zeitverhältnissen Rechnung tragend zwar nicht direkt aber indirekt die nazistische Lehre widerlegten, so die später verbotene Wochenschrift „Schönere Zukunft“ und das „Hochland“ und es verging buchstäblich kein Tag, an dem wir nicht in unaufhörlichen Diskussionen unsere Ablehnung nach der weltanschaulichen Richtung zum Ausdruck brachten und verbreiteten. Wie geschlossen dieser Kreis war, geht daraus hervor, dass wir einen Kollegen, dessen Zuneigung zum Nationalsozialismus bekannt war, offen boykottierten.“
Ich habe ein ungutes Gefühl, meinem Großvater Unrecht zu tun, aber irgendwie kann ich ihm den Nazi-Gegner, der nur den äußeren Umständen Rechnung tragend nolens volens halt einer Parteiorganisation beitritt, nicht ganz abnehmen. „Geistiger Abwehrkampf“ und die „nicht direkte aber indirekte“ Widerlegung hören sich allzu einfach herbeidefiniert an.
Gleichzeitig möchte ich ihm natürlich gerne glauben und ihm das Urteilsvermögen zutrauen.