Großvaterblog


ein vorläufiges Fazit
15. August 2007, 21:50
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Für mein Stipendium muss ich regelmäßige Rechenschaftsberichte verfassen. Was ich so tue, wie ich mit dem Studium vorankomme, unterm Strich, ob das gute Geld auch gut in mich investiert ist. Ich überlege hin und her, ob ich meinen Großvater und meine Beschäftigung mit seiner Vergangenheit erwähnen soll. Einerseits ist es mir zu privat. Das geht die nichts an. Andererseits, warum auch nicht, etwas was mich die letzten Monate so beschäftigt hat, muss eigentlich unbedingt in meinem Bericht erwähnt werden. Also.

„Im Bereich Geschichte belege ich hierzu „Kulturgeschichte des Nationalsozialismus“, was sich auch als wirklich spannend herausgestellt hat. Z.B. haben wir intensiv die Oettinger-Filbinger-Affäre verfolgt und besprochen – für mich doppelt interessant, da es ja um mein „Heimat-Bundesland“ geht und dann vor allem weil ich im Mai herausfand, dass mein vor einigen Jahren verstorbener Großvater ein ganz ähnlicher „Fall“ wie Hans Filbinger war: Er war während dem Krieg Staatsanwalt am Volksgerichtshof in Berlin und dort für eine Reihe von Todesurteilen mitverantwortlich, hat sich gleichzeitig aber immer als Gegner der Nationalsozialisten betrachtet und sein Handeln als rechtens – auch noch nach 45. Bei der Recherche nach ihm stieß ich auf Akten im Bundesarchiv in Berlin, die aus Ermittlungen des DDR-Generalstaatsanwalts gegen ihn in den 60er-Jahren stammen – im Moment bin ich nicht ganz sicher, ob ich sie mir ansehen möchte, aber ich denke irgendwann schon.“