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Die Banalität des Großvaters?

10. Februar 2013

Aus dem Ermittlungsbericht der Berliner Staatsanwaltschaft von 1986:

„Vor Hauptverhandlungen habe er ‚entsprechend der damaligen Übung‘, im Hinblick auf die ihm bekannten internen Richtlinien – etwa derjenigen, daß nach dem 21. Juni 1941 gegen KPD-Funktionäre wegen Feindbegünstigung stets die Todesstrafe zu beantragen sei – Vortrag beim Abteilungsleiter gehalten bzw. dessen Weisung eingeholt, welcher Strafantrag zu stellen sei; es habe Fälle gegeben, in denen er im Vortrag eine Todesstrafe nicht für angebracht gehalten habe, dann aber doch mit entsprechender Weisung versehen worden sei und diese nach seiner Überzeugung habe befolgen müssen; …“

(Ich habe es noch nicht geschafft, im Kino den Film über Hannah Arendt und den Eichmann-Prozess zu sehen. Wird aber auf jeden Fall noch nachgeholt…)

die Kassette (II)

5. Januar 2013

endlich: abspielen können, angehört.

Und soo spannend ist der Inhalt nicht: Ein Gespräch, vermutlich vom Radio mitgeschnitten, über eine Tagung der deutschen Richterakademie über Aufarbeitung von Nazi-Justizverbrechen. Tenor: Viele junge Richter haben „heute“ (wann immer das war, vermutlich in den 70ern) keine Ahnung von der Vergangenheit der deutschen Justiz. Und „die Politik“ erschwert die Aufarbeitung, indem sie etwa Verwendung von Archivmaterial aus Osteuropa (=Ostblock) nicht zulässt.

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3. Oktober 2012

„Die formelhafte Zusammenfassung der Eltern für das Geschehen war der Schicksalsschlag, ein Schicksal, worauf man persönlich keinen Einfluss hatte nehmen können. Den Jungen verloren und das Heim, das war einer der Sätze, mit denen man sich dem Nachdenken über die Gründe entzog. Man glaubte mit diesem Leid seinen Teil an der allgemeinen Sühne geleistet zu haben. Fürchterlich war eben alles, schon weil man selbst Opfer geworden war, Opfer eines unerklärlichen kollektiven Schicksals. Es waren dämonische Kräfte, die entweder außerhalb der Geschichte walteten oder Teil der menschlichen Natur waren, auf jeden Fall waren sie katastrophisch und unabwendbar. Entscheidungen, in die man sich nur schicken konnte. Und man fühlte sich vom Schicksal ungerecht behandelt.“

Uwe Timm – Am Beispiel meines Bruders

Die Kassette

20. März 2012

In meinem Material befindet sich immer noch eine Kassette – ich glaube ich habe sie vor einem guten Jahr von meiner Tante bekommen. Ich erinnere mich nicht mehr genau was drauf war, und ich würde das, was drauf ist, gerne als mp3 umwandeln und auf den blog stellen (wenn es spannend ist…).

Nur: Ich habe rein gar nichts, womit ich eine Kassette abspielen könnte. Das sind so die kleinen Tücken… na, vielleicht bei meinem nächsten Elternbesuch. Falls die noch so alte Technik besitzen…

 

S21 und mein Großvater

2. Dezember 2010

Fasziniert habe ich in den letzten Wochen oft stundenlang die Schlichtungsgespräche zu „Stuttgart 21“ angeschaut. All die wilden Folien mit Anhydriden, Baggern, Schnecken, Blitzen und Durchrutschplänen. Der Mann von der Bahn, der immer so fies grinste. Boris Palmer, der Bürgermeister meiner Heimatstadt Tübingen mit seinen Pladoyers – und natürlich der unermüdlich nachhakende Heiner Geißler. Das endlose Warten aufs Schlichtkind letzten Dienstag.

Und erst heute habe ich gemerkt, dass es auch eine Verbindung zu meinem Großvater gibt. Peter Conradi, der wildweißhaarige Mann mit der großen Fliege, Architekt der Contra-S21-Seite, war in den 80er-Jahren Abgeordneter im deutschen Bundestag für die SPD und hat in dieser Eigenschaft einmal einen Artikel über „einen deutschen Richter“ geschrieben – meinen Großvater.

immer, ja wirklich immer

11. November 2010

Den halben Tag saß ich heute herum und hatte nicht viel zu tun. Das ist neu.

Im letzten halben Jahr habe ich meine Magisterarbeit geschrieben, war viel unterwegs, habe bei einem Wettbewerb des Innenministeriums mit diesem Essay einen Trostpreis gewonnen, und habe diese Seite ins Internet gestellt. Es war immer was zu tun. Bis heute. (Gestern war ehrlich gesagt auch schon nicht viel – aber da habe ich dann noch meine Blumen umgetopft. Und so.)

Aber da es ja doch, auch wenn man nichts mehr zu tun hat, immer noch was zu tun gibt –  die nächsten Tage mal wieder ein paar Großvaterblogeinträge.

Zum Beispiel den hier.

Solange sie noch leben

24. April 2010

Seit ein paar Wochen fehlt in unserer Freitags-SZ das Magazin. Ich dachte immer, ärgerlich, aber sei’s drum. Gestern allerdings habe ich mich dann um Zustellreklamation bemüht, denn Heft 16/2010, „Solange sie noch leben“, will ich unbedingt lesen.

Bis das Heft per Post nachgeliefert wird kann ich die Artikel zum Glück auch schon online lesen.

Der Artikel von Sascha Batthyány über seine gräfliche Großtante und  ihr Fest auf dem Schloss, das in einem Massaker an 180 Juden endet, hat mich eben beim Reinlesen schon sehr gefesselt:

»Was hätte ich fragen sollen? Du, Tante Margit, willst du noch einen Schluck Wein? Und übrigens, Tante Margit, hast du Juden erschossen?«

„Ich habe langsam das Gefühl, dass jeder diese Geschichte für seine Zwecke manipuliert. Die Familie will nicht hineingezogen werden und zieht sich zurück. Die Medien wollen die Schlagzeile von der blutrünstigen Gräfin, die die Juden massakriert, und die Einwohner von Rechnitz wollen das Ganze unter den Teppich kehren. Für sie ist Tante Margit eine Heilige – wer von ihr spricht, fängt an zu weinen.“

Auf 14 Seiten lesbar ab hier.